Nach etlichen „willst du nicht mal zu Hafid in die Sahara“ hatte es meine Mutter geschafft und Frido und ich haben unseren Novemberurlaub in wärmere Gefilde, in die Sahara von Marokko gelegt. Dass es dann aber wirklich so warm wird, hätten wir nicht erwartet.
Die Buchung mit Hilfe meiner Mutter war sehr entspannt. Schnell hatten wir uns für einen Flug nach Marrakesh entschieden, um auch mal den Touri-Rummel mitgemacht zu haben.
In Marrakesh hatten wir 1,5 Tage eingeplant.
Das Hotel hatte ich über Booking.com gebucht und eine Abholung war inklusive. Unser Hotel lag nur wenige Minuten von der Medina Marrkeshs entfernt. Während man vormittags dort noch einige Obst- und Gemüsehändler beobachten konnte, fand man gegen Abend Schlangen-Beschwörer, Affen-Dompteure und noch viel mehr Straßenkatzen als sonst. Geht man über den Platz in die kleinen Gassen findet man dort alles, was das typische Touri-Herz begehrt. Mini-Tadjinen, Duftwürfel, Cremes, Filzspielzeuge, Lederschlappen…vieles, vermutlich auch vieles „made in china“. Trotzdem ein Besuch wert, da man hier auch immer wieder auf nette Kleinigkeiten wie handbemalte Spiegel oder neue Hausschuhe stoßen kann.



Restaurants und kleine Straßenstände findet man überall, allerdings sollte man gerade bei der auf dem großen Platz befindlichen Fressmeile immer ganz genau sagen was man will oder nicht. Wir bekamen schlussendlich „von allem nur ein ganz kleines bisschen“ und waren 50€ los. Für uns eine reine Abzocke da das Essen nicht wirklich gut schmeckte und man hier für die Show bezahlt, wenn wieder neue Touristen auf die einladenden Worte reingefallen sind.
Nach all dem Trubel waren wir froh, dass wir dann von Hafids Fahrer morgens um 7:30 Uhr in der Nachbarschaft des Hotels abgeholt wurden und es für uns über den Atlas, Richtung Sahara ging. Bei unserem Zwischenstop in Ait-Ben-Haddou trafen wir unsere Mitreisenden, Burgi und Astrid. Echt bayrische Mädels! Nach weiteren 3 Stunden Autofahrt bis Zagora und nochmals ca. 45 Minuten erreichten wir endlich unseren Startplatz für unsere Wanderung. Nach dem Tag im Auto waren wir froh, endlich angekommen zu sein und freuten uns sehr auf das erste gemeinsame Abendessen.



Am nächsten Tag ging es auf die erste Wander-Etappe. Für uns war nach dem Frühstück schon klar, dass die Temperaturen viel wärmer waren als sonst. In gemächlichem Tempo ging es mit unserem Leitkamel über den ersten Pass. Die karge Landschaft der Steinwüste war eindrucksvoll, besonders mit dem Gedanken, dass hier trotzdem Tiere und Menschen überleben können. Unser Kamel machte es uns aber immer wieder vor, indem es die Dornen von Akazien mit der großen Schnauze abvesperte. Auch über die Orangenschalen, die er bei unseren Pausen bekam, freute er sich sehr.
Vom Pass aus ging es durch kleine Täler, über weitere kleine Gipfel bis zu unserem Schlafplatz. Wegen der hohen Temperaturen wanderten wir häufig nur vormittags und verbrachten die Nachmittage im Camp. Dort war Zeit zum fotografieren, die Natur und Tiere kennenlernen und sich einfach mal nur auszuruhen. Das merkten wir nämlich auch schnell. Der Urlaub ohne Handy, ohne Nachrichten aus aller Welt und mit top Verpflegung rund um die Uhr war unglaublich entspannend und endschleunigend.
Den Abend verbrachten wir bei einer befreundeten Familie von Hafid. Sie wohnte in der Nachbarschaft zu unserem Nachtlager und wir durften mit ihnen zu Abend essen. Also ging es Abend mit der ganzen Crew, ein paar Gastgeschenken zu ihrem Lager. Wir konnten viele Fragen stellen, genossen eine große tadjine und zu unserem Glück hatte sich die von Hand aufgezogene Baby-Ziege zu uns gesellt und lies sich in den Schlaf kraulen.





Am nächsten Tag wurde das Lager wieder zusammengepackt und es ging nach einem vielseitigen Frühstück weiter Richtung Sandwüste. Wir liefen eine lange steinerne Ebene entlang, kletterten eine Felswand hinauf und erreichten kurz vor dem Mittagessen unseren neuen Platz. Wieder blieb Zeit, die Tiere der Wüste kennenzulernen und besonders, die Kamele zu kuscheln. Nach dem Aufbau des neuen Zeltplatzes war nachmittags genug Zeit, die Gegend zu erkundigen. So ging es mit Hafid zusammen zu alten Steinmalerein und anschließend mit Kletterpartie zu einem alten Olivenbaum. Da langsam die Dämmerung einsetzte ging ein Teil unserer Truppe zurück. Astrid, Frido und ich wollten uns aber nicht die Gelegenheit nehmen lassen, eine Runde in einem Wasserbecken zu schwimmen und so den ganzen Sand zwischen den Zehen rauszuspülen. Vor dem Abendessen nutzten Frido und ich dann noch die Gelegenheit, uns an einem Brunnen etwas zu duschen und die Haare zu waschen. Frido hatte Mittags das Camp laufend umrundet und genoss die kleine Dusche sehr.





Aufgrund der steigenden Temperaturen begannen wir unsere nächste Etappe schon sehr früh am Morgen. Trotzdem konnten wir der wahnsinnigen Hitze nicht entkommen. Nach einem kleinen Aufstieg begann ein sehr lange Abstieg durch ein Tal aus schwarzem Gestein. Nach den ersten Kilometern hatte man hier das Gefühl, gegrillt zu werden. So toll die Felsformationen auch waren, „the floor is Lava“ war für mich irgendwann Realität und man hüpfte nur noch von Schatten zu Schatten. Für eine kleine Abkühlung sorgte ein Wasserbecken, nach Schwimmen war mir dort aber schon nicht mehr zu mute. Nachdem wir das Steintal verlassen hatten, ging es weiter über eine lange Ebene aus Steinplatten, hinab in eine kleine Oase wo unser Schlafplatz sein sollte. Der Weg erschien einem sehr lang und wir waren unglaublich froh, den Nachmittag auf einer Decke unter einer Dattelpalme verbringen zu können. Mit Blick in den blauen Himmel und saftigen, frischen Datteln an den Palmen waren die Strapazen relativ schnell vergessen. Den Nachmittag verbrachten wir entspannt mit Brot backen, wir lernten etwas über Henna und lungerten einfach nur rum.






Nach dem Hitzetag ging es nun langsam und entspannt, für mich auf dem Kamelrücken, weiter aus der Steinwüste heraus. Wir wanderten über eine lange Ebene, langsam kam landschaftlich immer mehr Sand dazu, die Vegetation veränderte sich und man konnte in der Ferne schon die Dünen erkennen. Den Mittagsstop legten wir in einer kleinen Oase aus Tamarisken ein. Hier wehte ein laues Lüftchen und es war ganz gut auszuhalten. Hafid verabschiedete sich aus unsere Truppe, um eine andere in Empfang zu nehmen. Somit waren wir jetzt mit Himdi, Joussof und unserem Koch Lahsen alleine und liefen nach dem Frühstück auch immer gemeinsam mit unseren Packkamelen los. Die Mittagspause in den Tamarisken nutzen unsere Jungs und Frido nochmal um Wasser an einem Brunnen zu holen und hier war auch die Möglichkeit, sich etwas zu waschen.
Nachdem die Sonne etwas nachgelassen hatte, entschieden wir uns dafür, doch noch weiterzulaufen, um in die Sanddünen zu kommen. Unseren Schlafplatz erreichten wir am frühen Abend und unsere Crew bereitete erneut ein ein tolles Abendessen bei Kerzenschein und Feuer. Gerade unter dem Sternenhimmel in den Sanddünen lies der Abend und die geschaffte Etappe umso mehr genießen.





Die zwei folgenden Tage verbrachten wir komplett in den Dünen. Es ging durch eine eine weite Sandlandschaft mit tollen Formen, Farben und Tieren. Frido nutzte den Tag aus, um seinen Halbmarathon-du-Sable zu absolvieren und rannte direkt nach dem Frühstück los, in großen Kreisen um die Truppe herum. Auch wenn die Kopftücher im ersten Augenblick seltsam aussehen, waren sie als nasser Lappen mit kühlem Vorhang vor dem Kopf ein Genuss, den auch Frido bei seinem lauf nutzte.
Nach zwei Tagen ging es langsam aus den hohen Sanddünen wieder Richtung Ebene zurück und wir verbrachten unseren vorletzten Abend gemeinsam am Fuße einer großen Tamariske. Unser Team baute erneut einen wunderbaren Mittagsplatz auf und wir hatten die Gelegenheit, uns langsam von Natur und Tieren zu verabschieden. Den Abend verbrachten wir bei einem großen Lagerfeuer, frisch gebackenem Brot und kleinen Wüsten-Sandmäusen, die sogar bis unter die Decke kamen.





Am vorletzten Wandertag verabschiedeten wir uns von der Wüste und es ging zurück in die Steintäler. Zum ersten Mal kamen uns auch große Wandergruppen mit vielen Kamelen entgegen, die zu einem großen Wüstencamp wanderten. Für uns ging es bis zu einem kleinen Wasserbecken, in welchem wir nochmals schwimmen und uns waschen konnten. Hier verbrachten wir auch unseren letzten Abend mit gemeinsamen Feuer, Abendessen und Übergabe unserer mitgebrachten Geschenke. Darunter beispielsweise einen alten Wanderrucksack, Frido Laufschuhe und seine Sonnenbrille. Unsere Jungs freute es und sie suchten alles aus, was sie gebrauchen konnten. Leider wurde aus einer letzten Nacht unter freiem Himmel nichts da es stark windete und endlich anfing zu regnen…oder eher tröpfeln. An unserem letzten Wandertag ging es durch ein großes leeres Flusstal weiter hoch zu unserem Endplatz. Dort wartete bereits der Jeep der uns zurück nach Zagora brachte.


Zagora war nach der Stille der Wüste ein kleiner Kulturschock. An jeder Ecke hörte man wieder „Look, Look“ und überall sollte einem ein Tee oder etwas anderes angedreht werden. Gefühlt waren die Händler sogar aufdringlicher als in Marrakesh, sogar in der Unterkunft wurde uns etliche Male Schmuck angeboten. An unserem letzten Tag wurden wir von Hafids Bruder noch zum Mittagessen eingeladen. So durften wir noch einen Eindruck eines etwas modernerem Familienhaus gewinnen, inklusive im Hinterhof gehaltenen Schafen und Ziegen. Gemeinsam mit den Kindern hatten wir noch einen richtig netten Abschluss. Trotzdem waren wir sehr froh, dann langsam wieder den Heimweg antreten zu können.


Definitiv ein Urlaub, der uns wegen Ruhe, einem tollen Sternenhimmel und ganz tollem Essen in Erinnerung bleiben wird. Und wer weiß, vielleicht auch nicht die letzte Reise mit Hafid.




























