Litauen: Ostseestrände, Touritrubel und Einsamkeit

Zwei Fragen musste ich mir vor meiner Abreise fast täglich anhören: 1. „Warum denn nach Litauen?“ und 2. „Wieso reist du denn alleine?“. Beide Fragen waren relativ einfach zu beantworten: 1. Warum denn nicht? Litauen ist ein tolles, kleines und europäisches Land mit wunderbarer Natur, welches man 2. ganz toll alleine bereisen kann. Es war unglaublich einfach dort hin zu kommen, Unterkünfte zu buchen und sich dort zurecht zu finden.

Meine Reise begann von Frankfurt aus. Für knapp 270€ buchte ich einen Hin- und Rückflug inklusive Rail & Flight aber ohne Aufgabegepäck. Innerhalb von 2 Stunden ist man von Frankfurt in Vilnius. Nachdem ich mir am Flughafen einen Überblick verschafft hatte, fand ich schnell den Bahnhof und konnte für nur 45 Cent in 10 Minuten in die Innenstadt fahren. Nach einem kleinen Fußmarsch durch die Stadt war ich bei meinem Hostel. Ich hatte mich dafür entschieden, die ersten drei Nächte und somit 2 volle Tage in Vilnius zu verbringen, das Hostel war sehr zentral und hatte alles, was man braucht.

Vilnius war für mich um einiges ruhiger als Riga. Keine Bier-Tresinen und keine betrunkenen Touristen. Dafür sehr viele Kirchen, große Plätze und kleine Parkanlagen. Besonders die Altstadt lud mit vielen kleinen Gassen zum schlendern ein und hatte teilweise auch fast einen italienischen Flair. Die typischen Souvenirläden gab es allerdings auch in Masse, dazwischen fand man aber auch kleine Handwerkslädelchen mit tollen, selbstgemachten Souvenirs. Immer wieder fand man auch kleine Cafés und Restaurants, die Preise waren überall ähnlich wie bei uns.

Durch Zufall war ich genau an dem Wochenende in Vilnius, an welchem auch der Vilnius Halbmarathon mit weiteren 10km- und 5km-Distanzen stattfand. Nach meiner Knie-Op im Januar war ich mir aber doch zu unsicher und entschied mich gegen eine kurzfristige Teilnahme. Gute Musik und mehrere Shopping-Stände luden aber zum anfeuern ein und so verbrachte ich einige Zeit dort. Samstags war auch um einiges mehr los in der Stadt, als unter der Woche. Parallel fand ich durch Zufall auch das Bier-Festival, welchem ich natürlich auch einen Besuch abstattete.

Nach drei Tagen Vilnius holte ich meinen Mietwagen am Flughafen ab. Da ich keine optimale Zugverbindung fand, entschied ich mich kurzer Hand, den Bus zu nehmen. Anders als in Deutschland ist Litauen aber auch schon so weit digitalisiert, dass die Bustickets über eine App gekauft werden. Das stellte ich allerdings auch erst im Bus fest und fuhr dann halt einfach leider schwarz zum Flughafen. Das Finden des Bahnhofs auf der Hinfahrt erwies sich um einiges einfacher, als das Finden der Mietwagenfirma. Die Informationen auf dem Voucher widersprachen sich etwas der Telefonhotline.

Nachdem ich dann irgendwann erfolgreich war, ging die Fahrt Richtung Trakai, einer Wasserburg los. Das Fahren auf der Autobahn war sehr angenehm und mein Ziel auch schnell zu finden. Da der Bereich um die Wasserburg für Autos gesperrt war, musste man sich einen Parkplatz im Ort suchen. Neben ein paar kostenpflichtigen Parkplätzen, gab es aber auch immer wieder kostenfreie Parkplätze in den Seitengassen.

Trakai überraschte mich mit unglaublich vielen Touristen und etwas schräg klingenden Kindern, die litauische Lieder sangen und Geld sammelten. Somit verkürzte sich mein Aufenthalt etwas und ich suchte nach wenigen Minuten schon das Weite. Auch die kleinen Einkaufsstände am Eingang der Wasserburg wurden überrannt und boten alle das gleiche an. Die Wasserburg zeigt sich zwar ganz schön im See, für mich am Wochenende aber eindeutig viel zu touristisch.

Somit fuhr ich weiter Richtung Ostsee nach Klaipeda. Diese Stadt liegt direkt am Hafen, den Ostseestrand und die Kurische Nehrung erreicht man innerhalb von wenigen Minuten. Für mich eine tolle Stadt zum rumschlendern und abschalten. Für die nächsten drei Nächte hatte ich mich in einem Hotel eingebucht, für welches ich genau gleich viel zahlte, wie für die drei Nächte im Hostel (120€). Den ersten Tag verbrachte ich in der Stadt mit der Suche nach „den Skulpturen“. In der gesamten Stadt sind nämlich Skulpturen verteilt, jede erzählt eine eigene Geschichte.

Zu Beginn lief ich einfach drauf los, nach und nach packte mich aber der Ehrgeiz immer mehr zu entdecken. Und so fand ich HIER eine Karte, auf welcher alle Skulpturen abgebildet waren. So sah ich unglaublich viel von der Stadt und auf der Suche nach versteckten Mäusen oder Katzen schaute man auch immer etwas genauer hin. Alle konnte ich leider nicht finden, vielleicht komme ich aber nochmal wieder 😉

Nachmittags entschied ich mich aufgrund des guten Wetters für einen Ausflug an die Ostsee. Von Klaipeda aus war man in ca. 10 Minuten im Nachbarort und hier fand man auch direkt einige große Parkplätze am Straßenrand. Der von mir gewählte war kostenpflichtig, die Kosten hielten sich aber in Litauen wirklich in Grenzen und so zahlte man teilweise nur 1-2 € für den gesamten Nachmittag.
Am Strand entschied ich mich für eine kleine Wanderung, für ein Bad war das Wasser noch zu kalt und das Wetter dann doch etwas zu stürmisch. Da ich in der Nebensaison da war, wurde der Strand erst noch gerichtet und es war kaum was los. Beim Rauschen der Wellen und mit Blick auf das Meer konnte man trotz des starken Windes schön abschalten.

Meinen zweiten Tag in der Region um Klaipeda verbrachte ich auf der Kurischen Nehrung. Von Klaipeda aus ist man innerhalb weniger Minuten am neuen Fährterminal, welches auch Autos auf die andere Seite bringt. Eine Hin- und Rückfahrt kostet knapp 23€. Nach wenigen Kilometern erreicht man dort schon das Nationalpark-Terminal und muss nochmals einen Eintritt bezahlen. In der Nebensaison kostet dieser pro „normalem“ Auto nur 10€, in der Hauptsaison allerdings 50€. Ein weiterer Grund, den Monat Mai auszunutzen, die Hauptsaison geht Mitte Juni los. Wer mit einem E-Auto reist, zahlt keinen Eintritt, Motorräder und Fahrräder sind auch etwas günstiger.
Die Kurische Nehrung reicht von Klaipeda bis hin zur russischen Grenze nach Kaliningrad ( -> unten im Bild sieht man die Grenze mit Grenztürmen) und ist zum Großteil als Nationalpark ausgewiesen. Hier findet man eine tolle Landschaft und viele sehenswerte Fleckchen!

Ich entschied mich, „das Pferd“ von hinten aufzusatteln und fuhr bis fast zur russischen Grenze in den Westen. Dort besichtigte ich zuerst die „Parnidis-Düne“ mit dem „Death Valley“. Von hier aus hat man einen tollen Ausblick über das Haff, nach Kaliningrad und rüber zur Ostsee. Sie gehört mit zu den größten Wanderdünen Europas und somit war es auch nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt, sich fortzubewegen. Viele Touristen blieben aber nur beim Parkplatz deswegen hatte ich auf dem knapp 3km langem Dünen-Rundweg nur eine Begegnung. Zum entspannen eine tolle Wanderung mit ein paar einsamen Stränden, an welchen man die Umgebung genießen kann. Der Parkplatz war erneut kostenpflichtig, wer früh genug dort ist, umgeht allerdings die Bezahlpflicht.

Weiter ging es über den Ort Nidden, der besonders für seine vielen bunten Fachwerkhäuser und ein paar berühmte Schriftsteller bekannt ist zu den Toten Dünen. Hier musste man nochmals 5€ Eintritt zahlen um die ca. 1,5 km zum höchsten Punkt bestreiten zu dürfen. Zuerst ging es über im Sand befestigte Holzstege, anschließend durch den Sand nach oben. Ich hatte das „Glück“ eine komplette Schulklasse vor mir zu haben, welche sich zu Teilen krabbelnd fortbewegte und sich gegenseitig mit Sand beschmiss. Die Ruhe, als fast alle Touristen den höchsten Punkt verließen, genoss ich ganz besonders.

Auf dem Rückweg von der Kurischen Nehrung, machte ich kurz halt in einer Komoran-Kolonie und nahm anschließend wieder die Fähre auf die andere Seite. Das Fahren mit der Fähre erwies sich auch als sehr unkompliziert. Man wurde eingewiesen, man musste nicht aussteigen und nach 4-5 Minuten ging es auch schon wieder an Land.
Da es langsam schon wieder zurück ging Richtung Vilnius, entschied ich mich für einen Zwischenstop im Ort Siauliai. Von Klaipeda aus war ich fast 2,5 Stunden unterwegs, um auch den Norden des Landes etwas kennenzulernen. In der Gegend um Siauliai ist besonders der Kreuzhügel bekannt. Dass er so unglaublich bekannt ist, und 6 Reisebusse mit mir diesen besichtigten, hätte ich aber nicht erwartet. Der Kreuzhügel ist ein Wallfahrtsort auf welchem viele tausende von Kreuzen errichtet wurden. Schätzungsweise findet man hier 100.000 Kreuze aber auch Kruzifixe und Rosenkränze. Die Gedenkstätte ist frei zugänglich und wenn man am großen kostenpflichtigen Parkplatz vorbeifährt, findet man auch einen kostenfreien.

Als letzten Stop vor meiner Abfahrt habe ich mich für den Ort Uten entschieden. Dieser liegt in der Nähe des Nationalparks und liegt nur noch knapp 2 Stunden von Vilnius entfernt. Leider machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung und meine vorgesehenen Wanderungen waren bei Sturm und Gewitter nur noch bedingt möglich. Eine kleine ca. 8km lange Wanderung in der Nähe der Stadt Anyksciai lies ich mir aber nicht nehmen. Bei gutem Wetter kann man in dieser Gegend viele Wanderungen durch die Seenlandschaften unternehmen und sollte besonders beim Fahren auf die kleinen Verkaufsstände am Straßenrand achten. Gerade Honig und alle möglichen aus Honig hergestellten Leckereien findet man hier!

Für mich waren die knapp 8 Tage in Litauen perfekt, um das Land zu entdecken. Die Kosten hielten sich in Grenzen und es war sehr einfach, Unternehmungen zu finden. Auf der Kurischen Nehrung und im Nationalpark bei Uten hätte ich sicher noch 2 Tage mehr verbringen können, so war die Rückfahrt nach Vilnius und der Heimflug doch auch etwas stressig.