UTCC Chianti UTMB

Auf einen Kurzurlaub in die Toskana und zum ersten Ultra-Wettkampf der Saison ging es nach Chianti. Mit dem Zug und Mietwagen angereist bezogen wir ein gemütliches Apartment, was ca. 25 Minuten vom Start und Ziel in Radda entfernt lag.
Am Freitag vor dem Wettkampftag ging es in den kleinen Ort Radda mit knapp 1.500 Einwohnern. Dort merkte man gleich, dass die UTMB-Veranstaltung eine der Großveranstaltungen im Ort zu sein scheint, welche die Besucherströme im Ort maximal auslastet und die Parkmöglichkeiten einschränkt. Wir nutzten den ca. 3km entfernt liegenden Parkplatz außerhalb und ein kleines Shuttle, welches uns zurück auf die Anhöhe in den Ort brachte.


Es gab drei Ortschaften, aus denen Shuttle-Busse vor dem Start die Läufer und je nach Platz-Verfügbarkeit auch Zuschauer transportieren sollten. Wir entschieden uns aber direkt, mit dem Mietwagen frühzeitig nach Radda zu fahren, damit wir den Start gemeinsam erleben konnten und keinen Stress mit der Anreise hatten.
Um Mitternacht von Freitag auf Samstag verließen wir unsere Unterkunft in Fonterutoli und bekamen tatsächlich den letzten und einen der wenigen Parkplätze mitten in Radda, nur wenige Gehminuten vom Start entfernt. Der Start für die 120 Kilometer Distanz erfolgte um 04:00 Uhr am Samstag und führte in einem Rundkurs und andauernden Auf und Ab durch die Weinberge, Ortschaften und Olivenplantagen Chiantis mit über 5000 Höhenmetern.


In den kleinen Gassen Raddas herrschte schnell eine faszinierende Stimmung, als die vielen Läufer verschlafen mit ihren Stirnlampen durch den Startbogen liefen und sich durch die engen Straßen windeten.
Durch die frühen Morgenstunden schlängelte sich die Strecke für Frido mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang durch die schöne Landschaft. Der erste Treffpunkt, bei dem Unterstützung durch die Begleitpersonen zulässig war, kam nach knapp 38 Kilometern in „Castello di Brolio“. 

Durch „Monteluco“, „Cantalici“ und „Gaiole in Chianti“ führte die Strecke von den einsamen Pfaden und Passagen wieder in Ortschaften und Winzer-Weiler.
Die Strecke war allgemein sehr abwechslungsreich und teilweise durch wechselnden Untergrund und Geröll-Passagen anspruchsvoll. Eine Grund-Konzentration war notwendig, um nicht in tiefen Fahrrinnen umzuknicken oder den Bergab-Strecken über Wurzeln oder Schnittmaterial aus den Reben zu stürzen.

Auf der zweiten Hälfte der Strecke standen nochmals zwei große Anstiege und ein langer Abstieg an. In den beiden Verpflegungsstationen „Castello di Albola“ und „Villa San Michele“ trafen die Läufer der 120km-Distanz auf die 70km-Läufer und man konnte den Läufern die vergangenen Stunden und Kilometer zunehmend ansehen. Hier war leider auch für einige Läufer das Ende des Wettkampfes weil sie verletzungs-, erschöpfungs- oder kältebedingt die letzten 15 Kilometer nicht mehr antreten konnten. 

Nachdem sich Liv in „Castello di Albola“ einer Gruppe von Zuschauern anschloss, die ebenfalls auf Familienmitglieder auf der Strecke warteten, entstand eine perfekte Supporter-Gruppe. Aus der Dunkelheit feuerte Liv mit den frisch gewonnenen Supportern im Sprechchor Frido beim Einlaufen in die Verpflegungsstation an, was nochmal für einen großen Schub an Energie für die letzte Etappe sorgte.
Ein letztes Mal gestärkt und dick eingepackt für die einbrechende Nacht startete Frido auf den langen Abstieg und die letzten Kilometer für den Wettkampf. 

Wenige Kilometer vor Radda konnte man schon das Ziel erahnen, die Lichter und Anzahl an Menschen in den Orten wurden mehr und die Strecke führte raus aus den dunklen Wald- und Reben-Passagen. Mit einem Anstieg auf den Ort über die Treppen und durch die Gassen ging es mit dem fast schon obligatorischen Zielsprint für Frido nach knapp 18 Stunden ins Ziel.