Für uns ging es über das erste Mai-Wochenende nach Innsbruck zum IATF (Innsbruck Alpine Trail Festival). Es ist das größte österreichischen Trail Festival mit 12 Wettkampfformaten und über 8000 Teilnehmern. In der Jugendherberge bezogen wir unser Quartier und hatten ein Fahrrad im Gepäck, damit ein paar Verpflegungsposten „angeradelt“ werden konnte. So waren wir nicht auf den Shuttlebus vom Veranstalter angewiesen.
Die Veranstaltung startete bereits am Mittwoch und dauerte bis Samstag, da die verschiedenen Distanzen über den Zeitraum verteilt ausgetragen wurden. Dementsprechend groß war auch das Angebot an Ausstellern bei der Sportmesse auf dem Vorplatz des Landestheaters und auch das Programm. Da wir erst am Donnerstagabend anreisten konnten wir die vielen spannenden Angebote leider nur bedingt wahrnehmen. So fand bspw. noch das EOFT Film Festival, einige spannende Interviews mit bekannten Läuferinnen und Läufern und verschiedene Club-Läufe statt.
Im Vorfeld mussten wir uns für einen „Slot“ zur Startnummernausgabe und Pflichtausrüstungs-Prüfung anmelden. Es war der erste Wettkampf, bei dem die Ausrüstung mit allen einzelnen Bestandteilen geprüft und sogar das Profil der Laufschuhe kontrolliert wurde. Nach Prüfung alle geforderten Gegenstände wurde das Armband zum Abholen der Startnummer ausgegeben.



Frido startete bei dem K110 „Masters of Innsbruck“, einer knapp 110km langen und mit ca. 5000hm gespickten Strecke am Freitag um Mitternacht. Mit etwas „Vor-Schlaf“ über den Tag in der Unterkunft schlenderten wir gegen 23 Uhr in Richtung Start. Unterwegs trafen wir an dem Maifeiertag auf mehr Feiernde als Läufer, die uns etwas verstört hinterherblickten. Am Start war ab 23:15 Uhr der Einlass in den Startbereich. Hier sorgten stichprobenartige Ausrüstungskontrolle bis kurz vor Mitternacht für Stau.
Für die 100er- und 80er-Distanzen erfolgte dieser Start vom Landestheater gegen den Uhrzeigersinn um Innsbruck auf die bekannten umliegenden Berge. Während in Innsbruck die Stimmung am Start noch laut und durch die Zuschauer und feiernden „Zivilisten“ noch ausgelassen war, wurde es auf dem ersten Anstieg über Hungerburg schnell ruhig. Über einen kurzen, aber „saftigen“ Anstieg auf die ersten Single Trails in Richtung Kranebitten ging es voller Konzentration im Schein der Stirnlampen über Stock und Stein und in einer Reihe hintereinander im Auf und Ab.
Schon auf den ersten 10 Kilometern waren mehrere Bergwachteinsätze durch Stürze notwendig. Hinter Frido ging eine junge Dame an einem steilen Abhang ab und schürfte sich die Kniescheibe ordentlich auf. Nach einem kurzen Schockmoment aber großem Erleichtern, dass sie nicht weiter abgestürzt ist, wurde sie wieder auf den Trail gezogen und das Erste-Hilfe-Set ausgepackt. Dies gehörte zur Pflichtausrüstung und war in diesem Fall für Frido sehr hilfreich. Nachdem die Wunde versorgt und die Dame sich zum vorsichtigen Weiterlaufen bis zur nächsten VP entschloss, ging es weiter durch die Nacht und schon bald an den Abstieg in Richtung Kranebitten.
Die ca. 10km vom Start aus entlang der Inn waren mit dem Fahrrad gut machbar. Da ich aber sehr frühzeitig losgefahren bin, war ich natürlich viel zu früh am VP. Um warm zu werden und nicht angelehnt am Zaun irgendwann um 1 Uhr nachts einzuschlafen, bot ich meine Hilfe an und fand mich plötzlich beim Porridge-Kochen wieder. Dank ChatGPT wurd die „Mische“ auch ganz gut, verursachte aber eventuell auch den Stromausfall, der die ganze VP vorübergehend im Dunkeln stehen lies. Die Auswahl an Getränken, Ernährung und auch verschiedenen Produkten der Marke „Sponsor“ war beeindruckend.
Für Frido ging es nach einem kurzen Stopp in Richtung Süden durch die Orte Völz und Birgitz, um dann den Aufstieg in Richtung der Berge Axamer Kögele und vorbei am Jochkreuz zu bewältigen.





Neben dem Schein der vielen Stirnlampen erleuchtete der Vollmond in der Nacht die umliegenden Gipfel und man konnte erahnen, was noch vor einem liegt. Die Sterne und schneebedeckten Gipfel sowie der Blick auf die bereits zurückgelegte Strecke sorgten jedoch gleich für ein gutes Gefühl. An der Mutterer Alm, an der auch ein weitererVP war, konnte das erste Morgenrot in der Ferne bewundert werden. Über einen langgezogenen Abstieg in den nächsten Stunden ging es bis nach Bergisel. Dort wartete ich mit leichterer Kleidung und einer wohltuenden Massage für die Waden und Nacken sowie Sonnencreme und etwas Motivation. Nachdem ich gegen 3 Uhr das Hostel in Innsbruck erreicht hatte, konnte ich bis ca. 6 Uhr etwas die Augen schließen, war auch wirklich nötig.
An der VP Bergiesel wurde zusätzlich frischer Kaiserschmarn zubereitet. Am liebsten wären wir noch etwas länger geblieben! Für Frido ging es ab der zweiten Hälfte wortwörtlich bergauf. Nicht nur der lange und steile Aufstieg vorbei an dem Patscherkofel und Schartenkogel stand bevor. Auch eine überraschende „Leichtigkeit“ auf der zweiten Hälfte setzte bei Frido ein. Für ein dickes Schmunzeln und große Freude am höchsten Punkt des zweiten großen Gipfelaufstiegs sorgte ein Entsafter mit frischem Orangen- und Bananen-Saft. Auch hier waren der Zuspruch und die Hilfsbereitschaft der Helfer und Zuschauer wieder beeindruckend.





Kurzfristig entschloss ich mich, mit dem Fahrrad nicht nur zum Herzsee zu fahren sondern noch ein Stück weiter hoch nach Rinn. Dort war zwar kein VP aber ein „Durchlauf“ bei welchem ich Frido nochmal motivieren wollte. Etwas unterschätzt habe ich allerdings die Berge und mein fast 20 Jahr altes Tourenrad. Somit wurde meine Fahrradausfahrt nochmal ganz schön anstrengend.
Weiter ging es zum Herzsee. Entgegen der Prognose der Zeit-App „LiveTrail“ wurde ich durch Frido schon über 10 Minuten früher überrascht.
Zur gleichen Zeit war bereits unser Freund Andreas auf der 65er Strecke unterwegs und Frido voraus. Über ein Wiedersehen mit seiner Familie nach dem Ultra in den Vogesen im vergangenen Jahr freuten wir uns sehr! Auch bei ihm und seiner Frau, die auf der K15-Strecke wieder zu finden war, lief es an diesem Tag sehr gut und Ilse konnte sogar den 1. Platz in ihrer Altersklasse einkassieren!
Für Frido und Andreas ging es nun auf gleicher Strecke und ca. 30min versetzt über Hall wieder in Richtung Norden. Ein letztes Mal galt es Höhe zu machen und über die Nordkette in Richtung Innsbruck zurück zu steigen. Hier brannte die Sonne bereits ohne Gnade und auch ich hatte zwischenzeitlich fast 60 Kilometer mit dem Radel zurückgelegt.
Von den Eindrücken des Tages und vielen guten Zusprüchen und Momenten getragen stoppte Frido nur noch für das Auffüllen der Soft Flasks und setzte den Fokus auf die Ziellinie in Innsbruck.





Wie in den ersten Morgenstunden bereits bergauf gestartet, ging es wieder über Hungerburg bergab. Dort steuerten nun auch alle weiteren Langdistanzen in Richtung Ziel.
Bereits am Berg sammelten sich viele Zuschauer und die Stimmung war gigantisch! Die Läufer der anderen Distanzen, feuerten die 100er auf ihren letzten Kilometern an.
Für Frido war es ein beeindruckender Weg in Richtung Ziel. So wurde er von der Inn bis zum Landestheater angefeuert. Durch den langen Zielkanal mit dem Zielsprint ging es nach etwas über 16 Stunden über die Ziellinie. Ein alkoholfreies Bier, Schatten und der Stolz gemeinsam wieder mal ein weiterer toller Lauf erlebt und absolviert zu haben waren ein großes Geschenk, was den Tag perfekt abrundete. Genauso wie die große, fettige Pizza im Anschluss im Bett.


